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Mangelnde Versorgung mit medizinischem Cannabis

Mi. 23.02.2022
Treffen mit Unterstaatssekretär Andrea Costa in Rom gibt Patient*innen Hoffnung - Unterstützung vonseiten der zuständigen Stellen und Politik in Südtirol unbedingt notwendig

 

Dramatische Situationen für Patient*innen durch Lieferengpässe: Seit Italien medizinisches Cannabis als Arzneimittel zugelassen hat, kommt es immer wieder vor, dass Patient*innen, denen es im Vorfeld schon schwer gemacht wird zu einer Verschreibung von Cannabis zu gelangen, in den Apotheken das Arzneimittel nicht erhalten. 

Nach jahrelangen Klagen und Beschwerden bei sämtlichen öffentlichen Stellen ist es einer Gruppe von Patientenvereinigungen aus ganz Italien gelungen, durch Proteste vor dem Gesundheitsministerium im vergangenen Sommer einen Dialog zu eröffnen. So wurden sie zu einem "tavolo tecnico" eingeladen, der von Unterstaatsekretär Andrea Costa einberufen wurde. Am Dienstag, 22.02.2022 fand bereits das zweite Treffen statt.

Costa hat bereits im Dezember in den Medien verkündet, die Produktion von medizinischem Cannabis an private und öffentliche Einrichtungen auszuschreiben. Eine einmalige Chance, das vom Südtiroler Landtag bereits in die Wege geleitete Projekt zum Anbau von Cannabis in der Laimburg rasch voranzutreiben.

Mein Anliegen beim "tavolo tecnico" in Rom war es, eine rasche Lösung für das aktuelle Fehlen von medizinischem Cannabis in den Apotheken zu fordern.

Denn es ist schlichtweg ein Skandal, dass in einem demokratischen Land mitten in Europa, in dem es möglich ist, jede kommerziell gehandelte Ware binnen kürzester Zeit über Grenzen hinweg tausende Kilometer zu liefern, Patient*innen, meist Schwerkranken, das offiziell verschriebene Medikament hingegen verwehrt wird.  Ich spreche hier von dem Leid, dass Schmerzpatient*innen, Patient*innen in der Palliative, vielen Patient*innen mit neurodegenerativen Krankheiten und weiteren schwerwiegenden Krankheiten angetan wird.

Als Vertreter der Südtiroler Patientenorganisation Cannabis Social Club Bozen ist mir diese dramatische und leider immer wiederkehrende Situation der Patient*innen, welche aufgrund von Nichtverfügbarkeit des Arzneimittels zum Teil ihre Therapien unterbrechen müssen, nur zu gut bekannt.

Medizinisches Cannabis ist nicht so einfach zu bekommen und wird eigentlich nur verschrieben, wenn andere Medikamente nicht wirken. Also Patient*innen, die nach meistens jahrelangem Leid endlich ein Mittel gefunden haben, das ihnen hilft, können ihre Therapie nicht fortsetzen.

Unterstaatssekretär Costa zeigte Verständnis für die schlimme Lage der Betroffenen und strebt an, mittels einer Notfallverordnung eine sofortige Ausschreibung für eine größere Menge an medizinischem Cannabis zu machen. Des Weiteren wurde das Ziel ins Auge gefasst, die Ursache des Problems zu beheben: Es scheitert an Dekreten, Richtlinien und institutionellen Abmachungen, die nicht funktionieren oder so kompliziert sind, dass sie nicht eingehalten werden können. Allein beim Thema medizinisches Cannabis sind drei Ministerien, das für Gesundheit, das für Militär und das für Landwirtschaft, involviert und diverse Institutionen, wie das AIFA, die sog. Medikamentenzulassungsstelle, das chemische und pharmazeutische Militärinstitut in Florenz und noch einige weitere.

Dass es für den reibungslosen Einsatz von medizinischem Cannabis noch viele Probleme zu lösen gibt, ist sicher: Jetzt sind wir Patientenorganisationen gefragt, denn die Gesellschaft ist reif für medizinisches Cannabis! Was mir Mut macht ist, dass wir sowohl auf Landesebene mit Landesrat Widmann, wie auf Staatsebene mit Unterstaatssekretär Costa die politische Unterstützung haben. Jetzt müssen unbedingt auch Taten folgen!

Die Versorgung mit medizinischem Cannabis muss gewährleistet und alles unternommen werden, um künftig für Patienten und Patientinnen solche dramatischen Situationen aufgrund von Lieferengpässen zu vermeiden.

 

 

Peter Grünfelder
Gründer und Koordinator
Patientenvereinigungen Cannabis Social Club Bozen

 

Auf der Facebook-Seite vom Cannabis Social Club gibt es ein Interview mit dem Gründer des Cannabis Social Club Peter Grünfelder zu diesem Thema. Nachzuhören hier

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