Medizinisches Cannabis

Wenn von medizinischem Cannabis die Rede ist, dann steht immer der therapeutische Nutzen der aktiven Wirkstoffe der Pflanze Cannabis Sativa L. im Vordergrund! Auf dieser Seite finden Sie Basisinformationen zu den Sorten, den Wirkstoffen, der medizinischen Wirkung und den erhältlichen Cannabispräparaten in Europa.

Medizinisches Cannabis

 

Sorten und Wirkung

Sortenvielfalt medizinisches Cannabis
Sortenvielfalt medizinisches Cannabis: Auf der Website von Sensiseeds werden hybride Sorten präsentiert, die sich besonders gut für den medizinischen Einsatz eignen.

Aus botanischer Sicht unterscheiden sich drei Cannabis Gattungen:

Cannabis Indica - ursprünglich aus Zentralasien stammender Hanf mit niedrigem Wuchs und relativ hohem THC-Gehalt und allgemein hohem Anteil an medizinisch wirksamen Cannabinoiden.

Cannabis Sativa - hochwachsender ursprünglich in mehreren Regionen der Erde heimischer Hanf mit hohem Faseranteil. Sativagattungen wurden ursprünglich wegen ihres meist niedrigem THC-Gehaltes nicht medizinisch verwendet. Durch Züchtungen vor allem in holländischen Samenbanken gibt es mittlerweile allerdings auch viele Sativagattungen mit hohem THC-Anteil.

Cannabis Ruderalis - eine wilde Hanfart die vor allem im nordasiatischen bzw. östlichen Europa heimisch ist. Ruderalhanf verfügt meist über mittelmäßig hohe THC- bzw. CBD Konzentrationen. Der größte Unterschied zu anderen Hanfgattungen besteht in der Lichtunempfindlichkeit des Ruderalhanfes welcher bis in Permafrostgebiete natürlich vorkommt und eine sehr kurze Blütezeit aufweist.

 

Hybride Sorten

Durch die Züchtungen in Samenbanken wurden die verschiedenen Eigenschaften der Cannabissorten gekreuzt. Entweder um botanische Eigenschaften zu selektieren oder um Wirkstoffgehalte zu erhöhen. Während Cannabis Sativa eine psychoaktive Wirkung hat (High), ist Cannabis Indica für seine körperentspannende Wirkung bekannt (Stone). Um die Vorteile beider Sorten optimal zu nutzen, wurden Hybride gezüchtet, welche therapeutische Eigenschaft perfekt kombinieren.

 

 

Die Wirkstoffe

Die Wirkstoffe in Cannabis sind die sog. Phytocannabinoide, von denen bisher ca. 60 bekannt, aber noch nicht alle erforscht sind. Die von einem medizinischen Standpunkt interessantesten Cannabinoide sind das Tetrahydrocannabinol (THC), das Cannabidiol (CBD) und das Cannabinol (CBN).

Chemische Zusammensetzung der Cannabinoide
Wissenschafliche Informationen zu den Wirkstoffen von Cannabis.

THC ist das psychoaktive Cannabinoid das für den berauschende Effekt von Cannabis verantwortlich ist. Es wirkt jedoch ebenso entzündungshemmend und krampflösend. Studien bescheinigen auch eine tumorhemmende, bzw. tumorzerstörende Wirkung. Ausserdem wirkt THC brechreizhemmend und gegen Übelkeit. Das medizinische Potential von THC ist damit aber bei weitem noch erschöpft. Zum ersten mal 1964 von Prof. Raphael Mechoulam am Weizmann Institute of Science in Israel isoliert.

CBD ist das nächste Cannabinoid mit hoher Bekanntheit, das besonders durch die medizinische Forschung der letzten Zeit bekannt wurde. Es ist nicht psychoaktiv und wirkt dem Rauschffekt von THC entgegen, potenziert aber dessen medizinische Wirksamkeit. Cannabidiol wirkt außerdem antipsychotisch, angstlösend und neuroprotektiv.

CBN ist ein weiteres bekanntes Cannabinoid, dem besonders viele medizinische Anwendungen bescheinigt werden, wie z.B. Krampflösung oder Unterdrückung von Brechreiz. Es ist auch deswegen so bekannt, weil es insbesonders gut als Botenstoff im Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers wirkt. CBN ist für die schlaffördernde Wirkung von Cannabis verantwortlich.

 

 

Funktionsweise des menschlichen Endocanabinoidsystems
Schaubild der Funktionsweise des menschlichen Endocanabinoidsystems erschienen auf tagesanzeiger.ch, bereitgestellt von "The Human Solution International"

Die medizinische Funktionsweise

Das menschliche Gehirn produziert Neurotransmitter (Anandamide) und verteilt diese über den ganzen Körper. Das Nervensystem, der Verdauungstrakt und alle anderen Organe können über diese Rezeptoren Impulse an das Hirn senden. Dieses Netzwerk nennt sich Endocanabinoid-System. Es reguliert Schmerzen, steuert das Erinnerungsvermögen und kontrolliert das Immunsystem. Endocanabinoide sind nahezu an allen Körperfunktionen beteiligt, werden täglich in unserem Körper produziert und finden sich bereits in der menschlichen Muttermilch.

Die in Cannabis enthaltenen Phytocannabinoide haben die Fähigkeit an körpereigene Endocanabinoid-Rezeptoren zu verbinden und diese zu aktivieren. Dieser Vorgang ist die Basis der medizinischen Wirkung von Cannabis und die therapeutische Wirksamkeit ist wissenschaftlich bewiesen.

 

 

 

Cannabispräparate

Medizinische Cannabisprodukte sind heute bereits in ganz Europa verfügbar und können von Ärzten verschrieben und von Apotheken verteilt werden. Das italienische “Ministero della Salute” hat folgende Cannabispräparate freigegeben:

 

Bedrocan®

BedrocanSeit 2005 baut die holländische Firma Bedrocan Cannabis für ihr Gesundheitsministerium an. Die Präparate bestehen aus standardisierten, getrockneten Cannabisblüten und unterscheiden sich  durch unterschiedliche Wirkstoffgrade::

  • Bedrocan 22% THC, < 1% CBD
  • Bedrobinol 13,5% THC, <1% CBD
  • Bediol 6,3% THC, 6% CBD
  • Bedica 14% THC, <1% CBD

Weitere Cannabispräparate der Firma Bedrocan sind in Vorbereitung.

 

Sativex®
Sativex

Der Mundspray Sativex wird in Großbritannien vom Marktführer GW-Pharmaceuticals hergestellt. Es enthält standardisierte Mengen von THC und CBD. Wegen seiner guten Dosiermöglichkeit wird es besonders gerne bei der neurophatischen Schmerzbehandlung und gegen Spasmen bei Multipler Sklerose eingesetzt. GW-Pharma arbeitet aktuell an einem Cannabispräparat für die Behandlung von Krebs, insbesondere für die damit verbundenen Schmerzerscheinungen.
 

 

Dronabinol und Nabilon
DronabinolDronabinol, auch unter den Namen Marinol bekannt, ist extrahiertes reines THC und wird aus in Österreich produziertem Cannabis von der Firma Bionorica in Deutschland hergestellt.. Es wird in Kapseln oder in Tropfen verabreicht. Es wird vor allem gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien und gegen Apetitlosigkeit und Gewichtverlust bei AIDS-Pateinten eingesetzt.
 

Nabilon ist komplett synthetisch hergestelltes THC. Präparat und Einsatzgebiete sind mit Dronabinol vergleichbar.

 

Die Wirksamkeit von synthetischen Cannabinoiden ist jedoch umstritten. Die beste medizinische Wirkung entfaltet sich vor allem bei Produkten die ein natürliches, volles Spektrum an Cannabinoiden enthalten. Das ist auch wissenschaftlich bewiesen: www.theweedblog.com/why-marinol-is-not-as-good-as-real-marijuana/